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SCHRIFTEN DER GESELLSCHAFT FÜR WIRTSCHAFTS- UND
SOZIALWISSENSCHAFTEN DES LANDBAUES E.V.
von Oppen, M.: Agrarvermarktung und landwirtschaftliche Produktivität in
Entwicklungsländern, dargestellt am Beispiel Indiens. In: Besch, M., Kuhlmann, F., Lorenzl,
G. Unter Mitwirkung von Hanf, C.-H., Riebe, K.: Vermarktung und Beratung. Schriften der
Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues e.V., Band 20,
Münster-Hiltrup: Landwirtschaftsverlag (1983), S. 355-379.
355
Agrarvermarktung und landwirtschaftliche Produktivität in Entwicklungsländern, dargestellt
am Beispiel Indiens
von
Mattias von 0 p p e n
(1)
(2),
Pantcheru,Indien
.1 Einführung
Entwicklungsländer beziehen bekanntlich einen hohen
Anteil
ihres
Volkseinkommens aus der Landwirtschaft. Bei einem Vergleich vieler
Länder zeigte sich, daß der landwirtschaftliche Anteil
am
Volks-
einkommen mit abnehmendem Pro-Kopf-Einkommen zunimmt (s. Schaubild
1). Weiterhin ist bekannt, daß die Landwirtschaft in
Entwicklungsländern weitgehend hauswirtschaftlieh
den
meisten
orientiert
ist
(ABERCROMBIE, 1967). Als Faustregel läßt sich wohl sagen, daß
der
hauswirtschaftliehe, d.h. der für den eigenen
(1)
(2)
Verbrauch
erzeugte
Principal Economist, International crops Research Institute
for the Semi Arid Tropics (INCRISAT), Patancheru, A.P.
502324, Indien
Der Autor dankt J.G. RYAN, F. PESNEAUD, Kirith PARIKH und
K. FROHBERG für wertvolle Anregungen und Beiträge im Laufe
dieser Arbeit. Die Berechnungen verdankt er P.P. RAO,
K.V.S. RAO und U. SICHRA. Für etwaige Mängel ist allein der
Autor verantwortlich.
356
Anteil der landwirtschaftlichen Produktion in einem Land etwa in
der gleichen Größenordnung liegt wie der Anteil der Landwirtschaft
am Volkseinkommen.
Ein besonders hoher Anteil hauswirtschaftlicher Erzeugung gerade
in den ärmsten Entwicklungsländern läßt jedoch häufig ein erhebliches an Zugang zu effizienten landwirtschaftlichen Märkten keine
Verbindung zur restlichen Wirtschaft ihres Landes besitzen, fehlt
ihnen die Möglichkeit, ihren Betrieb gemäß ihrer jeweiligen komparativen Kostenvorteile so auszurichten, daß vermehrt solche Produkte angebaut werden, mit denen relativ höhere Erträge zu erzielen wären. Sollte der Nachweis gelingen, daß die kausalen Zusammenhänge zwischen Marktzugang und Produktivität meßbar und die
Größenordnungen erheblich sind, dann käme der landwirtschaftlichen
Vermarktung gerade in Entwicklungsländern eine weitaus bedeutendere Rolle zu als bisher angenommen~ Verbesserung des Marktzuganges könnte Reserven in der Produktivität der Landwirtschaft mobilisieren helfen, die bisher ungenutzt geblieben sind. (3)
(4)
(3)
(4)
Die Zusammenhänge zwischen Handel und produktivität sind in
der Literatur im Hinblick auf Weltmärkte ausreichend beschrieben, z.B. THOMPSON, 1980.
Dagegen hat dieses Problem im Hinblick auf Binnenmärkte bisher nur geringe Aufmerksamkeit erfahren (ANTLE, 1982).
357
Schaubild 1: Bruttosozialprodukt pro Kopf und Anteil der Landwirtschaft am Nettosozialprodukt
...
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Anteil der Landwirtschaft (%) am NSP
358
1
Ziel der Studie
Es ist die Aufgabe dieser Untersuchung, den Zusammenhang zwischen
Marktzugang und landwirtschaftlicher produktivität genauer darzustellen. Zunächst wird das Grundkonzept erläutert, nach welchem
der Marktzugang die landwirtschaftliche Produktivität auf drei
Ebenen beeinflußt. Sodann soll anhand von Daten aus Indien der
Versuch unternommen werden, durch verschiedene
quantitative
fahren diese Einflüsse auf den verschiedenen Ebenen
messen.
empirisch
Verzu
Schließlich werden die Messungen verglichen und Größenordnungen
abgeleitet, die angeben, wie stark etwaige Verbesserungen des
Marktzuganges die Produktivität der Landwirtschaft beeinflussen •
.1
Grundkonzept
Der Beitrag von effizienter Agrarvermarktung zur wirtschaftlichen
Entwicklung ist auf drei Ebenen zu sehen:
Primär bewirkt ein effizientes Vermarktungssystem, daß jeder
Marktteilnehmer im Ubergang von der Hauswirtschaft zur marktwirtschaftlichen Verflechtung gemäß seines jeweiligen komparativen Kostenvorteils eine bestimmte Kombination von Produktionszweigen
wählt, d.h. Marktaustausch führt zur Spezialisierung im Rahmen der
durch natürliche und andere Bedingungen gesetzten Grenzen. Dieser
Zusammenhang läßt sich am einfachsten
anhand
der
Produktionsmöglichkeitskurven zweier Betriebe A und B für zwei Früchte,
z.B. Straucherbsen und Sorghum, darstellen (Ubersicht 1 und Schaubild 2). Während A relative höhere Erträge beim Erbsenanbau erzielt, hat B einen komparativen Vorteil für Sorghum. Bei extrem
hohen Anteilen der einen oder anderen Frucht sinken deren Erträge
359
aufgrund agronomischer Zusammenhänge
wie
"Ermüdung
u.a. Solange beide Betriebe als Selbstversorger
auf
verhältnis von 5 : I in der Erzeugung von Sorghum:
des
Bodens"
ein
Mengen-
Straucherbsen
angewiesen sind, werden beide den Anbauplan 111 wählen. In dem Moment aber, wo ein Warenaustausch zwischen beiden stattfinden
und sich ein Preis bildet (die Linien PS im Schaubild
2),
kann
werden
beide gemäß ihrer komparativen Vorteile ihre Anbausysteme in Richtung auf die Punkte 11 der jeweiligen produktionsmöglichkeitenkurve verändern, d.h. sie werden sich nach einer gewissen Frist,
zur Umstellung nötig ist, sowie innerhalb der
durch
die
agronomische
Bedingungen gesetzten Grenzen spezialisieren. In Folge der Umstellung werden beide zusammen eine höhere Bodenproduktivität erzielen
als zuvor; beispielsweise würde Anbauplan 11 einen Zuwachs von
an Sorghum und 8% an Erbsen gegenüber Anbauplan 111 bedeuten.
(5)
2%
(5)
Wenngleich die hier angenommenen Zahlen rein hypothetisch
sind, so spiegeln sie in der Größenordnung durchaus realistische Werte wider.
360
Ubersicht 1: Flächen und Erträge von Sorghum und und Straucherbsen
in zwei Betrieben A und B
(schematisch)"
A
~nbau
(18 ha)
Sorghum
plan
B
ßtraucherbsen
ha
t/ha
t
ha
t/ha
I
13
1,0
l'
5
0,9
II
14
1,0
14
III
15
1,0
IV
16
1,0
(9 ha)
Sorghum
St-erbsen
t
ha t/ha
t
S
E
t
t
t
ha
t/ha
4,5
8
1,4
11,2 1
0,7
0,7 24,2 5,2
4
1,0 . 4,0
7
1,5
10,5 2
0,6
1,2 24,5 5,2
1<
3
1,0
3,0
6
1,5
9,0 3
0,6
1,8 24,0 4,8
1E
2
1,0
2,0
5
1,5
7,5 4
0,6
2,4 23,5 4,4
Schaubild 2
Produktionsmöglichkeiten von Sorghum und Straucherbsen in zwei Betrieben A und B (schematisch)
.s traucherbsen
~TtM~
r
Produktion:
Sorgh\lll
10
ohne Wa,renaustaLisch
9 : + 15 t
•
24 t
lJ',it WarenCiustausth
<
Stl1l\lGhUb5e!",8t+Jt. 4,8t<
10,5 t + 14 t
•
24,5 t
1,2t+ 4 t ·
5,Zt
~
A~B
A
Ps
361
Sekundär ermöglicht der Zugang zu landwirtschaftlichen Märkten dem
einzelnen Bauer zweierlei:
(1) verbesserten Zugang zu neuen
Tech-
nologien und Produktionsmitteln und (2) bessere Preise bzw. geringere Vermarktungskosten. Die Anwendung von verbesserten
gien erhöht die Erträge und bessere Preise erhöhen das
TechnoloEinkommen.
Bei der Analyse der Faktoren, die die Produktivität der
Landwirt-
schaft bestimmen, ist die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Effekten methodisch problematisch:
der
Marktzugang
be-
stimmt gleichzeitig sowohl Intensität und Form des Produktionsmitteleinsatzes als auch den Anbauplan oder die Fruchtfolge; die Wirkung von Produktionsmitteln ist jedoch oft weitaus stärker als die
eines verbesserten Anbauplans, sodaß Messungen,
die
jedes einzelnen Faktors isolieren wollen, besonders
die
Wirkung
genau
durch-
geführt werden müssen.
Tertiärer Effekt von effizienten Marktkanälen ist eine räumliche
Konzentration bestimmter Erzeugnisse, die der nachgeordneten verarbeitenden Industrie bessere Nutzung sowie Ausweitung
der
zitäten ermöglicht. Der tertiäre Effekt von verbessertem
gang durch Kostendegression im Marktabfluß
bei
Kapa-
Marktzu-
erhöhter
Produk-
tionsdichte wirkt gewissermaßen als Verstärker der primär- und Sekundäreffekte. Bei der statistischen Analyse von aggregierten
ten ist der tertiäre Effekt darum kaum zu trennen von den
und Sekundäreffekten. Zur Isolierung des
Tertiäreffekts
Da-
primärist
daru"m weitgehend auf Fall-Studien angewiesen , in denen die
man
Kosten
von Vermarktungskanälen betimmter Produkte untersucht werden (z.B.
OPPEN und SCOT'l', 1976).
Mit jedem dieser auf verschiedenen Ebenen wirkenden Vorteile
ver-
besserten Marktzuganges sind jedoch potentiell auch negative Wirkungen verbunden: Betriebe und Gebiete ohne komparative Kostenvorteile werden durch Marktanschluß
(ohne
ausgleichende
Maßnahmen)
relativ benachteiligt; eröffnet MarktanschluS den Zugang zu
neuen
Technologien, dann können die größeren und oft besser ausgebildeten Landwirte die Möglichkeiten generell rascher nutzen, als die
kleineren und meist weniger gut informierten Bauern. Daraus kann
sich eine vertiefung der Einkommensdisparitäten ergeben, sofern
362
nicht ausgleichende Maßnahmen getroffen werden, z.B. durch Beratung und Kreditbeschaffung zugunsten der Benachteiligten. Die Verflechtung der Landwirtschaft mit nachgeordneter Verarbeitungsindustrie oder Export kann zu einer Ubernutzung der landwirtschaflichen Ressourcen führen und bei der Kapitalbildung durch Handel und
verarbeitende Industrien kommt es leicht zu
Kapitalabflüssen
von
einer Region in andere Regionen bzw. aus der Landwirtschaft in andere Wirtschaftssektoren, was
zu
politischen
Spannungen
führen
kann.
4
Empirische Methoden zur quantitativen Erfassung des Einflusses
von Marktzugang auf Produktivität
In den folgenden Abschnitten werden die
Ergebnisse
von
chungen zusammengefaßt, die eine Vorstellung über die
Untersu-
quantitati-
ven Größen der oben genannten Zusammenhänge vermitteln.
4.1
Ein räumliches Gleichgewichtsmodell mit freiem und begrenztem Handel
Um den Einfluß von Beschränkungen im landwirtschaftlichen
renfluß mit Hilfe eines regionalen Gleichgewichtsmodells zu
monstrieren, wurde ein relativ einfacher Fall
von
drei
Wade-
Regionen
und drei Kulturen ausgewählt: die indischen Bundesstaaten Andhra
pradesh, Madhya Pradesh und Maharashtra produzieren drei Früchte:
Reis, Sorghum und Kichererbsen. Alle drei Früchte stehen im
bewerb um die -Nutzung aller in den drei Staaten
verfügbaren
sourcen, die unbeweglich sind und in der Form von Land in das
dell eingegeben werden (6)
(6)
Weitere Einzelheiten s. OPPEN, 1979.
WettResMo-
363
Der Einfluß von reibungslosem Warenaustausch auf die Produktivität
der Landwirtschaft ist um so stärker, je gr5ßer die regionalen Unterschiede in der Produktivität sind. Durch neue Technologien werden diese Unterschiede gew5hnlich erweitert. Um diesen Sachverhalt
an hand des Modells darzustellen, wurden zwei Fälle angenommen: (A)
vor der Einführung neuer Technologieni (B) nach Einführung von
Technologien, die die Produktivität in dem Staat mit dem jeweils
h5chsten Ertrag um 50% ~nd in den übrigen entsprechend geringer
steigern, während die Nachfrage in allen Staaten um 25% steigt.
Im Fall -An würde die Entscheidung, alle Warenstr5me auf nur 10%
des freien Handels zu begrenzen, in allen drei Staaten zusammen
die Gesamterzeugung der jeweiligen Früchte folgendermaßen beeinflussen:
Reis
Erzeugung bleibt unverändert i
Erzeugung fällt um 5%i
Sorghum
Kichererbsen
Erzeugung fällt um l3%i
Gesamterzeugung aller fällt um 2%.
Im Falle "B- bewirkt die gleiche Politik einer Handelsbeschränkung
auf 10% des freien Warenflusses folgendes:
Reis
Erzeugung fällt um l%i
Sorghum
Erzeugung fällt um 7%i
Erzeugung fällt um l5%i
Kichererbsen
Gesamterzeugung aller fällt um 4%.
Der Vergleich der beiden Szenarien zeigt uns eindringlich die Wirkung von Marktpolitik und Warenaustausch auf die Erzeugung.
Der Beitrag, den freier Zugang zu ungehindertem Warenaustausch zur
Gesamtproduktivität der Landwirtschaft leisten kann, wächst mit
364
wachsender technologischer Entwicklung. Dieser Beitr~g ist mit 2%
bis 4% der Erzeugung nicht besonders sichtbar und entzieht sich
leicht der Beobachtung "mit dem bloßen Auge". Allerdings sollten
sogfältige empirische Messungen diesen Zustand bestätigen.
4.2
Getreidezonen und Gesamtproduktivität von Getreide in den
Bundesstaaten Indiens
Um die zeitliche Verzögerung zu erfassen, mit welcher die oben
aufgezeigten Wirkungen nur auftreten können, wurde zunächst ein
relativ leicht zu erstellender empirischer Datensatz anlysiert:
die Produktivität allen Getreides (Gesamtmenge pro Grasgesamtfläche) in 13 Bundesstaaten Indiens in den Jahren 1965 bis 1975.
In der indischen Ernährungswirtschaft wurden in den vergangenen 20
bis 30 Jahren wiederholt Getreidezonen gebildet. Von Zeit zu Zeit
wechselten die in einer Zone zusammengefaßten Staaten sowie die
jeweils betroffenen Getreidearten.
Um den Grad der Handelsbeschränkungen durch diese Getreidezonen zu
quantifizieren, wurde für jeden Staat ein Index erstellt, welcher
von Jahr zu Jahr die Zahl der jeweils betroffenen Produkte (Reis,
Weizen, Grobgetreide, Hülsenfrüchte) multipliziert mit der Zahl
der ohne Beschränkung für freien Handel erreichbaren übrigen Staaten. Dieser Index Handelsfreiheit" schwankt von 4 (äußerst begrenzt; alle vier Produkte sind nur innerhalb eines Staates frei
zu handeln) bis zu 52 (keine Begrenzung; alle 4 Produkte sind frei
zu handeln innerhalb aller 13 Staaten (7).
Die empirische Analyse der Daten zeigt, daß bei konstantem Einsatz
der übrigen Faktoren (ceteris paribus) der Sprung vom durchschnittlichen Grad der Handelsbeschränkung (Indexwert 32) zu
völliger Befreiung (Indexwert 52), mit einer Verzögerung von 2 bis
4 Jahren, eine Zunahme der Gesamterträge um 46 kg/ha von 837 kg/ha
auf 883 kg/ha bewirken würde. Das entspräche einer produkti(7)
Weitere Einzelheiten s. OPPEN, a.a.O
365
vitätssteigerung von 6%. Anders
ausgedrUckt,
die
Handelsbeschränkung durch Getreiäezonen in der Vergangenheit hat die Produktivität der Getreideerzeugung in Indien um durchschnittlich 5%
verringert. Die Abschaffung der Handelsbeschränkungen im Jahre
1978 sollte darum von 1980/81 ab ein merklich höheres Niveau in
der Getreideproduktivität erwarten lassen, und erste Zahlen scheinen diese Vorhersage zu bestätigen.
4.3
Gesamtproduktivität der Landwirtschaft in Distrikten Indiens
Die obige Untersuchung auf der Ebene der Bundesstaaten gelangt
zwar zu recht eindeutigen Ergebnissen bezüglich des Einflusses der
Getreidezonen auf die produktivität der Landwirtschaft. Jedoch
weist die Untersuchung einige Mängel auf: die Zeitreihe ist zu
kurz~ Getreideproduktivität ist
in Mengeneinheiten ausgedrUckt~
andere Nicht-Getreide-Produkte sind gar nicht berUcksichtigt.
Es wurden darum Daten fUr 94 Distrikte in vier Bundesstaaten (8)
zusammengestellt, und zwar Zeitreihen der Jahre 1957 bis 1972. Als
abhängige Variable wurde der Bruttoertrag pro Hektar Anbaufläche
eingegeben (9). Die unabhängigen Variablen sind in Ubersicht 2
aufgeführt. Außer den schon bekannten Produktionsfaktoren sowie
der Variablen "Handelsfreiheit" sind zusätzlich "Marktdichte" sowie "Straßendichte" als Marktzugang bestimmende Faktoren einbezogen.
Da Distrikte im Vergleich zu Bundesstaaten sehr viel kleinere Verwaltungseinheiten sind (etwa 20 Distrikte pro Bundesstaat), erschien es sinnvoll, diese nach Uberschuß- und Zuschußgebieten zu
gruppieren. Während nämlich in größeren in der Gesamtversorgung
eher ausgeglichenen Verwaltungseinheiten verbesserter Marktzugang
(8)
(9)
Madhya Pradesh, Andhra Pradesh, Karnataka und Tamil Nadu
Der Bruttoertrag ist die Summe der Erträge zu kostanten
Preisen von insgesamt 22 Erzeugnissen.
366
generell zu höherer Produktivität führen sollte, ist es wahrscheinlich, daß dies bei kleineren Einheiten nicht generell der
Fall ist.
Um diesen Zusammenhang zu testen, wurden die Distrikte Jahr um
Jahr nach ihrer pro-Kopf-Erzeugung in vier Gruppen unterschieden:
1. Extreme Zuschußgebiete
2. Zuschußgebiete
3. Uberschußgebiete
- mehr als eine Standardabweichung
unter dem Durchschnitt,
bis zu einer Standardabweichung
unter dem Durchschnitt,
- bis zu einer Standardabweichung
über dem Durchschnitt,
4. Extreme Uberschußgebiete - mehr als eine Standardabweichung
über dem Durchschnitt.
Durch die Einführung von "Dummy" Variablen für diese Gruppen und
Multiplikation der "Dummies" mit den Marktzugang bestimmenden Variablen ist es möglich, die Unterschiede zwischen Uberschuß- und
Zuschußgebieten hinsichtlich der Einflüsse dieser Variablen zu
messen. Zur Vereinfachung der Rechnung wurde generell eine zeitliche Verzögerung der Wirkung aller marktbestimmender Variablen
von 2 Jahren angenommen.
Die Ergebnisse der Regressionsanalyse einschließlich der Elastizitäten um den Mittelwert sind in Ubersicht 2 aufgeführt. Die Zahlen zeigen, daß
größere
Straßendichte
in
Zuschußgebieten
tatsächlich einen negativen EinflUß auf die Produktivität der
Landwirtschaft hat, während in Uberschußgebieten mehr Straßen
höhere produktivität verursachen. Besserer Zugang zu regulierten
Märkten, gemessen in Marktdichte, wirkt sich dagegen in allen
Ge-
367
bieten signifikant positiv auf die produktivität
schaft aus, mit Elastizitäten um 0,06.
der
Landwirt-
Die Handelsfreiheit wirkt ähnlich wie Straßendichte in extremen
Zuschußgebieten möglicherweise negativ aber in
den
übrigen
Zuschußgebieten wenn auch schwach, so doch positivi für alle
Uberschußgebiete ist ein deutlich positiver Einfluß meßbar. Insgesamt dürfte bei einer völligen Beseitigung von Getreidezonen (ceteris paribusl ein Produktivitätszuwachs nach etwa
2
Jahren
von
ungefähr 5% zu erwarten sein. Die übrigen Faktoren zeigen die erwarteten deutlich signifikanten Werte, wobei, außer Bewässerung
mit einer Elastizität von 0,45, die Elastizitäten für Düngemittel
und Saatgut überraschend gering ausfallen.
Angesichts dieser recht eindeutigen Zusammenhänge erhebt sich die
Frage, in welcher Weise und in welchem Maße unterschiedlicher
Marktzugang die Bodenproduktivität des einzelnen Bauern beeinflußt. Insbesondere interessiert, ob kleinere und größere Betriebe
unterschiedlich betroffen werden.
368
tJbersicht 2:
Bruttoertrag (10 ) als Funktion von Marktzugang und anderen Produktionsmitteln"
Variable (Maßeinheit)
Zeit
Straßen (km/10km 2 )
t-2 Extr.Zuschußgebiet
Zuschußgebiet
Uberschußgebiet
Extr.überschußgebiet
Koeffizient
(t-Wert)
Mittelwert
-1,1
-1,5
0,9
0,7
(-4,8)
(-6,8)
(3,6)
(1,3)
4,2
1,7
1,5
1,3
Elastizität
-0,17
-0,10
0,05
0,04
Märkte (Anzahl/100.000km 2 )
t-2 Extr.Zuschußgebiet
Zuschußgebiet
Uberschußgebiet
Extr.überschußgebiet
0,02
0,04
0,02
0,07
(2,2)
(7,3)
(2,1)
(5,9)
46
45
39
46
0,04
0,07
0,03
0,12
Handelsfreiheit (Index)
t-2 Extr.Zuschußgebiet
Zuschußgebiet
Überschußgebiet
Extr.überschußgebiet
-0,04
0,02
0,07
0,10
(-1,1)
(1,5)
(3,5)
<3,6)
39
33
29
37
-0,06
0,03
0,08
0,14
Ertragreiche Sorten
(% der Anbaufläche)
t
0,19
(5,0)
2,5
0,02
Mineraldünger (kg/ha)
t
0,09
(4,1)
8,3
0,03
Bewässerung
(% der Anbaufläche)
t
0,64
(49,2)
18,5
0,45
Regen (1000 mm)
t
8,1
(9,6)
1,064
-1,6
(-8,3)
1,641
Regen zum Quadrat
t
Konstante
R2
(10)
Mittelwert
5,5
0,84
26,22. 10 Rs/ha
369
~
Landwirtschaftliche Produktivität in Dörfern mit unterschiedlichem Marktzuqanq
Zur Beantwortung der Frage wie sich unterschiedlicher Markt zugang
auf den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb auswirkt, wurde
eine Befragung von 300 Bauern in 20 Dörfern durchgeführt." Die
Dörfer wurden so ausgewählt, daS sie nach bestimmten Kriterien wie
Einwohnerzahl, Schulbildung, Kastenwesen,
Siedlungsform
usw.
durchschnittlich waren, aber in unterschiedlicher Entfernung, zum
nächsten Markt lagen. In diesen Dörfern wurde nach einer Gesamtbefragung aller landwirtschaftlichen Betriebe zur Auflistung und
Feststellung der BetriebsgröSen stichprobenartig je fünf Betriebe
in drei BetriebsgröSenklassen (11) ausgewählt, und zwar
klein
mittel
groS
bis 4 ha Trockenland
6 bis 8 ha Trockenland
über 10 ha Trockenland.
Die Befragung zielte darauf ab, auSer dem Betriebsmitteleinsatz
und Erträgen auch die Verbrauchs- und Vermarktungsgewohnheiten der
Betriebe zu erfassen. Von den Ergebnissen, die vollständig an anderer Stelle veröffentlicht werden (OPPEN u.a., 1982), seien hier
besonders zwei hervorgehoben.
(11)
Bewässerte Flächen wurden mit einem Faktor multipliziert,
der dem durchschnittlichen jährlichen ROhertragsverhältnis
von bewässertem zu unbewässertem Land entspricht.
370
a)Produktivität und Marktanteil landwirtschaftlicher Betriebe in
Abhängigkeit von BetriebsgrÖße und Markentfernung
zu
Die Zusammenfassung der gesamten Bruttoerzeugung
schnittspreisen in Rupien je Hektar landwirtschaftlicher
(in Trockenland) ist in Schaubild 3
wiedergegeben.
DurchFläche
Danach
haben
alle Betriebe eine durchschnittliche Produktivität von nahezu 1200
Rs/ha, wovon im Durchschnitt 47% vermarktet werden.
Vergleicht man nun die verschiedenen Betriebsgrößengruppen in
un-
terschiedlicher Marktentfernung, so erweist sich, daß es vor allem
die großen und mittleren Betriebe sind, die mit zunehmender Marktferne ihre Produktivität und deren vermarkteten Anteil verringern,
während die Gruppe der kleinen Betriebe unabhängig vom Marktzugang
gleichwenig produziert und vermarktet (s. Schaubild 3).
Es drängt sich damit der Schluß auf, daß
Produktivität
zwischen
Marktnähe verursacht
(z.B. durch größere
großen
wird,
und
Marktdichte)
und
daß
vor
die
Disparität
in
der
kleinen
Betrieben
durch
verbesserter Marktanschluß
allem
den
mittleren
und
großen Betrieben nützen, den kleineren allerdings auch nicht schaden würde. Da oft auch die kleineren Landwirte neben den landlosen
Arbeitern auf Lohnarbeit angewiesen sind, erhöht
sich
für
bei erhöhter Bodenproduktivität (z.B. durch verbesserten
gang) generell die Möglichkeit, eine produktive
finden. Ein Hinweis, daß dies tatsächlich
der
diese
Marktzu-
Beschäftigung
Fall
ist,
sich aus der nachfolgenden Analyse der Produktivität als
zu
ergibt
Funktion
von Faktoreinsatz. Deutlich zeigt sich, daß vermehrter Arbeitseinsatz mit höherer Produktivität verbunden ist.
371
Schaubild 3: Landwirtschaftliche Erzeugung (in Rs/ha) und vermarkteter Anteil in
verschiedenen
unterschiedlicher
Entfernung
Betriebsgrößenklassen (12) und
zum
nächsten
Markt,
Distrikt.
CRs/ha)
1600
Legende:
r--
I]
1200
Erzeugung
'. :.;' verm~rktetET
:"
Antell
C!l
0
1400
in
Mahabubnagar
H
I:>D
-
I-
1"
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00
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1000
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"
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~ .~"'..
Nahe
(bis 15km)
'
... "
',. ...
.
Mittel
(16-25km)
., .:.
".
....• ,;'
)~
',;':'t ',:
aJ\
::.
.. " •• .'.",
• .......
.!CA.
. . . :', .... . . . . : >:', .... ~~- '.:.:.:': ::.•~
... "
Weit
(über 25km)
",,,,.
,,'
Markt entfernung
(12)
klein: weniger als 4 ha; mittel: 6-8 ha; groß: mehr als
10 ha;
insgesamt = gewogener Durchschnitt aller
372
b)Produktivität und Faktoreinsatz in Abhängigkeit von
Marktent-
fernung bei verschiedenen Betriebsgrößen
Marktzugang beeinflußt die produktivität in der
Landwirtschaft
wie oben festgestellt - auf zweierlei Weise: primär erlaubt besserer Marktzugang größere Spezialisierung gemäß dem Prinzip vom vergleichbaren Kostenvorteil; sekundär verbilligt Marktnähe den Zugang zu Produktionsmitteln. Es war darum naheliegend, zu
chen, ob dieser Sachverhalt
nachgewiesen werden kann.
auch
anhand
der
untersu-
vorhandenen
Da Produktivität sowohl direkt vom Marktzugang als auch
Daten
von
Pro-
duktionsmitteln abhängt, deren Einsatz gleichfalls vom Marktzugang
mitbestimmt wird, wurde bei der Abschätzung
dieser
'ein simultanes Gleichungsmodell angewandt und die
Zusammenhänge
Schätzung
nach
der Methode der "Multivariate Regression" mittels 3-Stufen-Regression durchgeführt.
Die Struktur des Rechenmodells und das Ergebnis
dieser
sind in Ubersicht 3 aufgeführt. Spalte I zeigt, wie
Schätzung
produktivität
signifikant von den Produktionmitteln wie neue Sorte, Kunstdünger,
Stallmist, Schädlingsbekämpfungsmitteln abhängt; auch der
Einsatz
anderer Ressourcen wie Bewässerung, Arbeitskräfte und Ochsenkarren
wirkt signifikant positiv auf die produktivität, während die vorhandene Anzahl Rindvieh wenn auch nicht signifikant so doch
tiv mit Produktivität in Beziehung steht.
Neben
Produktionsmitteln wird in der
auch
Gleichung
diesen
der
nega-
direkten
Einfluß
vom
Marktzugang - und zwar nach· Betriebsgrößen getrennt - geschätzt.
Hier zeigt sich für alle Betriebsgrößen, daß mit zunehmender Entfernung zum Markt die Produktivität sinkt, allerdings ist dieser
negative Einfluß statistisch signifikant nur bei den großen Betrieben.
Gleichzeitig mit der Produktivität wurde auch der Einsatz der Produktionsmittel in Abhängigkeit vom Marktzugang und anderen Variablen geschätzt wie in Ubersicht 3 dargestellt.
Es
zeigt
sich
373
generell, daS zunehmende Marktferne den Einsatz vor allem von neuen Sorten und Kunstdünger besonders in kleinen und mittleren Berieben nachteilig beeinfluSt. Bei mittleren Betrieben geht der
Einsatz neuer Sorten (Spalte 2) in Marktferne deutlich zurück und
bei kleinen Betrieben der Einsatz von Mineraldünger (Spalte 3);
der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln (Spalte 5) ist weniger stark durch Marktentfernung als weitgehend vom Einsatz neuer
Sorten bestimmt. Bei Stallmist (Spalte 4) wurde der EinfluS von
Marktnähe auf dessen Einsatz in der Landwirtschaft nicht gemessen;
Zahl des Rindviehs und Arbeitseinsatz bestimmen weitgehend die Anwendung von Stallmist.
Es läSt sich aus diesen Ergebnissen also ablesen, daS bei gröSeren
Betrieben (bei konstantem produktionsmitteleinsatz) der Primäreffekt von Marktzugang einen signifikanten EinfluS auf Produktivität
ausübt; durch bessere Zuordnung von Bodennutzungssystemen, also
Spezialisierung, erzielen gröSere Betriebe einen höheren Bruttoertrag. Dagegen zeigt sich, daS bei den mittleren und kleineren Betrieben der Einsatz von Produktionsmitteln
vom
Marktzugang
abhängt, während ein Spezialisierungseffekt durch Marktnähe bei
diesen BetriebsgröSenklassen nicht nachweisbar ist. Mit anderen
Worten, bei verschiedenen BetriebsgröSengruppen wirkt Marktzugang
auf unterschiedliche Weise; während Marktnähe bei kleineren und
mittleren Betrieben vor allem den Einsatz von schwer zu transportierenden Produktionsmitteln (Saatgut und Mineraldünger, nicht so
sehr Schädlingsbekämpfungsmittel) fördert, hat diese bei gröSeren
Betrieben vor allem EinfluS auf die Spezialisierung.
Die Elastizitäten der geschätzten Koeffizienten sind ebenfalls in
Ubersicht 3 aufgeführt und zeigen, daS ceteris paribus bei einer
374
Reduzierung der Entfernung vom nächsten Markt um 30% (13) die Produktivität in großen Betrieben um 2% steigen würde, der Einsatz
von neuen Sorten in mittleren Betrieben um 13% zunehmen würde und
der Düngemitteleinsatz in kleinen Betrieben um 8% wachsen würde.
Diese Werte ergeben insgesamt eine zwei- bis dreiprozentige Produktivitätssteigerung. (14)
Marktzugang hat also auch auf der Ebene des einzelne Betriebes
meßbare Wirkung. Allerdings erhebt die Untersuchung keinen Anspruch auf Repräsentativität. Die untersuchten Dörfer liegen zwar
in einem Gebiet (Mahabubnagar Distrikt), das repräsentativ für
weite Teile der semi ariden Zone in Indien ist~ auch wird dieser
Distrikt nach der im vorigen Abschnitt dargestellten Unterscheidung zeitweilig als Uber- und zeitweilig als Zuschußgebiet ausgewiesen und entspricht somit dem Durchschnitt des Landes. Doch werden noch weitere Untersuchungen dieser Art nötig sein, um die Ergebnisse zu bestätigen. (15) (16)
(13)
(14)
(15)
Die Reduzierung der Entfernung vom nächsten Markt um 30%
entspricht einer Verdopplung der Marktdichte.
Eine Regressionsgleichung in reduzierter Form, d.h. ohne
Produktionsmittel, schreibt der Marktentfernung diese Werte
zu.
Ein weiterer Datensatz, der - ähnlich wie im Mahabubnagar
Distrikt - von 20 Dörfern im Nagpur Distrikt erhoben wurde,
zeigt im wesentlichen ählnliche Ergebnisse (OPPEN u.a.,
1982) •
(16)
Allerdings ist in diesem weitaus besser mit Märkten ausgestatteten Distrikt die Produktivität der großen Betriebe
nicht von Marktnähe beeinflußt, während sich bei mittleren
und kleinen Betrieben deutlich Primär- und Sekundäreffekte
nachweisen lassen.
375
Ubersicht 3:
Simultanes Gleichungsmodell und
geschätzte
Parameter
von
Brut-
toproduktivität und Faktoreinsatz bei landwirtschaftlichen Betrieben in Indien als Funktionen gegebener Ressourcen und der
Entfer-
nung zum Markt für verschiedene Betriebsgrößengruppen"
Variable
(Mittelwert)
1
Bruttoproduktivität
(478 Rs/Acre)
Ertra~reiche Sorten
(5,1%
Mineraldünger
(30,7 Rs/Acre)
ötallmist
(21,5 Rs/Acre)
Schädlingsbek.mittel
(1,6 Rs/Acre)
Ochsenkarren
(0,07 Anzahl/Acre)
Bewässerung
(23,8%)
Arbeit
(77,7 Rs/Acre)
Familienmitglieder
(5,8 Pers/Haushalt)
Rindvieh
(5,3 Stück/Haushalt)
Entfernung zum nächsten
Markt
(20,4 km)
Kleine Betriebe
Mittlere Betriebe
Große Betriebe
AV
2,16
(2,9)
2,26
(9,2)
1,67
(4,1 )
5,70
(2,7)
50,1
(2,1 )
3,37
(7,3)
0,51
(2,2)
-20,3
(-1,3)
2
Gleichungen
3
AV
0,187
(8,6)
-0,581
(-1,6)
-
-1,12 -0,052
(-1,4) (-0,9)
-0,62 -0,110
(-0,8) (-1,9)
-1,31 -0,075
(-1,8) (-1,3)
0,781
(3,8)
AV
0,118
( 1,4)
-
0,896
(11,1)
-
-0,405
(-1,9)
-0,289
(-1,4)
-0,089
(0,4)
4
5
-
-
-
0,252
(10,7)
AV
-
-
AV
0,091
(0,03)
0,065
(2,4)
0,992
(1,2)
15,3
(6,9)
-
-
-
-0,029
(-1,1)
-0,011
(-0,4)
-0,009
(0,3)
Abgeleitete Elastizitäten der Entfernung
zum Markt
Kleine Betriebe
Mittlere Betriebe
Große Betriebe
Anmerkungen:
-0,05
-0,03
-0,06
-0,21
-0,44
-0,30
-0,27
-0,19
-0,06
-
T-Werte in Klammern;
AV bezeichnet die abhängige Variable;
_ bezeichnet nicht einbezogene Variable
-0,36
-0,14
0,11
)76
6
Zusammenfassung der Ergebnisse
In Ubersicht 4 sind noch einmal die wesentlichen
verschiedenen Untersuchungen zusammengestellt:
1.
Ergebnisse
der
Alle der hier vorgestellten Methoden zeigen übereinstimmend,
daß Maßnahmen, welche den Marktzugang beeinflussen, die landwirtschaftliche Produktivität empirisch meßbar beeinflussen.
2.
Wenn auch
e~n~ge
der Ergebnisse für sich in ihrer Zuverlässig-
keit nicht voll befriedigen mögen, so decken sich
Ergebnisse in ihren Größenordnungen und verleihen
doch alle
damit dem
Gesamtergebnis eine weitaus höhere Sicherheit.
3.
Die Wirkung möglicher machtpolitischer Maßnahmen läßt sich anhand der geschätzten Parameter - wie in der Ubersicht 4 dargelegt
vorausberechnen.
Generell
Straßendichte die produktivität in
ii) höhere Marktdichte die
erhöht; iii) Aufhebung
von
gilt,
daß
i)
vermehrte
Uberschußgebieten
Produktivität
Getreidezonen
in
die
erhöht. Obgleich die prozentualen Veränderungen
allen
erhöht;
Gebieten
produktivität
nicht
drama-
tisch sind und zudem nur mit einer zeitlichen Verzögerung auf-treten, läßt sich durch Nutzenkostenrechnungen die Wirtschaftlichkeit solcher Maßnahmen klar nachweisen.
4.
Die Verzögerung, mit der die Landwirte auf derartige Maßnahmen
reagieren, beträgt ungefähr 2 Jahre.
377
5.
Auch noch auf einzelbetrieblicher Ebene läßt sich
der
Effekt
von Marktzugang auf produktivität - wenn auch schwach -
nach-
weisen. Bei allen Betriebsgrößen hat Marktentfernung einen negativen Effekt auf Bruttoproduktivität. Die Koeffizienten deuten an, daß im allgemeinen eine Verringerung der
Marktentfer-
nung um 30% die Produktivität um 2-3% steigert. Während dieser
Effekt bei größeren Betrieben vorwiegend nicht auf Veränderungen im produktionsmitteleinsatz sondern auf bessere
nung (primäreffekt) zurückzuführen ist,
Anbaupla-
mittlere
und
kleinere Betriebe eher einen vermehrten Mitteleinsatz mit
zu-
nehmender Marktnähe.
zeigen
Obersicht 4
Marktpolitische MaBnahmen und ihr EinfluS auf landwirtschaftliche Produktivität
(Zusammenstellunt der Ergebnisse von verschiedenen Untersuchungen unterschiedlicher Daten)
Untersuchungsmethode und
Daten Quelle
Beobachtete Marktpolitische
Maßnahmen
1.
Normativ, Q.P.,
sekundär Daten,
Literatur
Beschränkung von allen
Warenströmen auf 10%
ihres Volumens
2.
EmpirisCh, GLS,
Indien, l' Bundesstaaten
10 Jahre, offizielle
Statistiken
Aufhebung der
Getreidezonen
Empirisch, OLS
Indien, 94 Distrikte,
15 Jahre, offizielle
Statistiken
a) Verdoppelung der
StraBendichte
b) Verdoppelung der
Marktdichte
c) Aufhebung der
Getreide zonen
Empirisch. MVB
Indien, '00 Farmer,
eigene Erhebungen
Verkürzung des Weges
zum nächsten Markt
von 20 km auf 14 km
,.
4.
Wirkung auf Gesamtproduktivität
RückgBng der GesamtprodUktivität
(in t/ha) um
- 2% bei traditioneller TeChnologie
- 4% bei fortgeschrittener
Technologie
Steigerung der Produktivität
von Getreide (in t/ha) um 5%
nach dem zweiten Jahr
a) b) c) -
Produktivitätszuwachs (in RS/ha)
in UberschuSgebieten um 4-5%;
in ZuschuSgebieten Rückgang;
in allen Gebieten um 5%;
in OberschuSgebieten um 4-7%;
in ZuschuSgebieten kein Effekt
Zuwachs der Produktivität
(in Re/bi) um 2 bis ,% durch
Spezialisierung (Primäreffekt)in
gröBeren Betrieben und durch
vermehrten Produktionsmitteleinsatz, in Betrieben mittlerer
und kleinerer Größe
W
-.J
co
379
L i t e rat u r ver z e ich n i s
1.
ABERCROMBIE, K., Die Landwirtschaft im Wandel von der Subsistenz- zur Marktwirtschaft, in P.v. BLANCKENBURG und H.D. CREMER, Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern, Verlag E. Ulmer, Stuttgart, 1967, s. 230-239.
2.
ANTLE, J.M., Infrastructure and Agricultural productivity:
Theory, Evidence, and Implications for Growth and Equity in
Agricultural Development, paper presented at the XVIII. International Conference of Agicultural Economists, Jakarta, Indonesia, 24.08.-02.09.1982.
3.
OPPEN, M. von and J.T. SCOTT, "A Spatical Equilibrium Model
for Planet Location and Interregional Trade", American Journal
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4.
OPPEN, M. von, The Effects of Inter-Regional Trade and Market
Infrastructure on Aggregate productivity of Agriculture, in
R.H.T. SMITH and E. GORMSEN (ed.l, Market-Place Exchange-Spatial Analysis and policy, Mainzer Geographische Studien, Heft
17, Geographisches Institut der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, 1979.
5.
OPPEN, M. von, K.V. SUBBA RAO, F. PESNEAUD, S. WANMALI, and
T.V.S. RAO, Equitity and Efficiency Effects of Market Access
for Farmers in Two Regions of India, Economics program, ICRISAT, patancheru, India, (forthcomingl, 1982.
6.
THOMPSON, R.L., Survey of Recent Developments in Agricu1tural
Trade Mode11ing and Forecasting, in G.C. RAUSSER (ed.l, New
Directions in Econometric Mode11ing and Forecasting in u.s.
Agriculture, North Holland Publishing company, Amsterdam,
1980.
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